Zyklus-Apps im Test 1/3: Lily App


In meinem ersten Testbericht stelle ich dir die Lily App (Version 3.6.2 – für iOS) vor, die 2017 durch die Stiftung Warentest die Note „Befriedigend“ verliehen bekam.


1. Einstellungen und Features


Der Farbton der App kann selbst gewählt werden, und es gibt die Möglichkeit zwischen heller oder dunkler Benutzeroberfläche zu wählen (auch abhängig von der Tageszeit). Die Lily App verfügt über einen Reminder, der zur Erinnerung der Dateneintragung aktiviert werden kann.

Ein Passwortschutz kann eingeschaltet werden.

Zusätzlich können die Zyklen ausgedruckt und verschickt werden.

2. Eingabe und Anzeige der Daten


Die Dateneingabe ist einfach aufgebaut - es lässt sich sogar in den Einstellungen regeln, welche Menüpunkte und an welcher Stelle sie angezeigt werden sollen. Dateneingabe und Kalender sind miteinander kombiniert, sodass es sich schnell zwischen den Zyklustagen hin und her wechseln lässt. Zusätzlich gibt es aber auch noch einen eigenen, größeren Kalender auf der App.

Das Zyklusblatt lässt sich leider nur im Hochformat anschauen - dadurch kann man nicht so viele Zyklustage auf einmal betrachten wie im Querformat. Dafür kann man aber von links nach rechts alle Zyklen wischen - das lästige Durchtippen zum nächsten Zyklus entfällt.

Der eigener Menüpunkt „Tagebuch“ lässt Platz für sonstige Eintragungen.

a) Temperatur

Die Temperatur kann in Fahrenheit oder Celsius angegeben werden und wird nicht automatisch gerundet (außer im Zyklusblatt). Leider werden die Temperaturwerte verbunden, wenn dazwischen Temperaturwerte fehlen.

b) Zervixschleim

Bei den Zervixschleim-Qualitäten finden sich von der Lily App auch eigens erfundene Qualitäten, die es so in der Arbeitsgruppe Natürliche Familienplanung (AG NFP) gar nicht gibt (z.B. kalt), es werden Qualitäten unterschiedlicher Kategorien zusammengefasst (z.B. „trüb/ wässrig“) und es fehlen welche, die es bei der AG NFP gibt (z.B. „schlüpfrig“).

c) Muttermund

Der Muttermund heißt hier Zervixposition. Für den Muttermund gibt es keine getrennte Eingabe von Lage, Öffnung und Konsistenz. Bei der Lily App gibt es insgesamt nur 3 Auswahlmöglichkeiten, damit lässt sich der Muttermund an einigen Zyklustagen bestimmt nur inkorrekt eingeben.

d) Störungen

Unter dem Menüpunkt „Störfaktoren“ lassen sich etliche potentielle Störungen anklicken. Nur leider lässt sich unter der Auswahlmöglichkeit „andere“ nicht vermerken, welche - dafür ist dies aber unter dem Menüpunkt „Individuelle Liste“ möglich. Medikamente lassen sich genauer unter dem Menüpunkt „Medikamente“ auflisten. Temperaturwerte werden bei angeklickter Störung in der Lily App nicht automatisch ausgeklammert, dies muss man selbst im Menüpunkt „Temperatur“ machen.

e) Geschlechtsverkehr

Der Geschlechtsverkehr lässt sich als un-/geschützt (mehrere Auswahlmöglichkeiten wie Kondom und Diaphragma) eingetragen, aber auch in den Einstellungen verstecken.

f) sonstige Körperzeichen

Eine Blutung lässt sich unter „Periode“ eingeben - dies ist nicht korrekt, denn eine Blutung ist nicht automatisch „DIE Periode“, also eine Menstruationsblutung, es gibt noch viele andere potentielle Blutungen in einem Zyklus. Angezeigt wird diese dann mit roten Strichen.

Unter dem Menüpunkt „Sekundäre Symptome“ findet sich eine unvollständige Liste an Körperzeichen wie Mittelschmerz, Zwischenblutungen und das Brustsymptom (hier nur als „empfindliche Brust“ bezeichnet) - wobei ich eine „geschwollene Vulva“ nicht als Zykluszeichen betrachte.

Zusätzlich gibt es noch die „Stimmung“ einzutragen. Die Auswahl an Stimmungen sind meiner Meinung nach eher klischeehaft (z.B. „beleidigt“, „boshaft“, „launenhaft“).

Sonstige Körperzeichen, Anmerkungen, Notizen etc. lassen sich unter dem Menüpunkt „Individuelle Liste“ eintragen.

Unter „Menopausensymptomen“ lassen sich weitere Körperzeichen eintragen.

g) Tests

Schwangerschafts- und LH-Tests lassen sich unter eigens dafür vorhandenen Menüpunkten als negativ oder positiv eintragen.


3. Auswertung


Bei der Lily App kann man grundsätzlich einstellen, ob man eine Kalendermethode („Durchschnittswerte“ genannt) oder eine NFP-Methode verwendet. Bei den NFP-Methoden stehen FAM (Fertility Awareness Method) und AG NFP (alias Sensiplan) zur Auswahl, wobei die letztere empfohlen wird.

Die Lily App wertet automatisch aus und lässt keine manuelle Auswertung zu.

a) Temperatur

Bei der Auswertung finde ich es als problematisch, dass mir die App automatisch angibt, unfruchtbar zu sein, wenn ich nur die Temperaturwerte eintrage. Die 2. Ausnahmeregel zur Temperatur wird überdies falsch angezeigt (als 4 höhere Messwerte und nicht als 3). Für Stillzeit und nach hormoneller Verhütung brauche ich eine zusätzlich höhere Messung, die hier keine Berücksichtigung findet.

b) Zervixschleim

Der Zervixschleim wird zwar automatisch, so weit ich getestet habe, richtig ausgewertet, jedoch nicht mit den bekannten Zervixschleim-Abkürzungen der AG NFP. Leider wird das Zervixschleim-Symptom ausgewertet, wenn Tagesdaten fehlen.

Die Einordnung in keine, geringe, mittlere und hohe Qualität finde ich fraglich. Warum z.B. das Gefühl von „trocken“ eine errechnete Qualität von „nichts“ anzeigt, „juckend“ aber eine errechnete Qualität von „gering“ und „leicht feucht“ eine mittlere Qualität aufweisen, finde ich nicht logisch. Bei der AG NFP wäre sowohl trocken als auch juckend als „t“ und damit „kein Zervixschleim“ einzuordnen, und nur feucht hätte eine geringe Zervixschleimqualität. Hierfür empfehle ich die manuelle Einteilung des Zervixschleims mit kein bzw. 1-3 Strichen, um sowohl t oder nichts, als auch f, s und s+ darzustellen.

c) Muttermund

Der Muttermund wird nicht zur Auswertung herangezogen: in der Lily App gibt es keine doppelte Kontrolle mit dem Muttermund - dies ist auch besser so, denn dafür wird er zu ungenau eingetragen.

d) die unfruchtbare Zeit am Zyklusanfang

Die unfruchtbare Zeit am Zyklusanfang scheint richtig angezeigt zu werden, die Minus-8-Regel zur Verkürzung wird ebenfalls berücksichtigt. Zur doppelten Kontrolle kann nur der Zervixschleim herangezogen werden, nicht der Muttermund.

4. Kosten


Es gibt eine Gratis-Version mit den Menüpunkten Temperatur, Zervixschleim, Geschlechtsverkehr, Periode, Stimmung und Schwangerschaftstest, und ein paar anderen Features. Für die Vollversion zahlt man derzeit (Dezember 2017) einen einmaligen Betrag von 6.99€. Ich finde es schade, dass man zwar die Spar-Version gratis bekommt, aber für die Vollversion zahlen muss, ohne diese testen zu können.

5. Wie geeignet ist die Lily App für besondere Lebenssituationen?

Zur Verhütung verführt die App eventuell dazu, nur die Temperatur zu benutzen. Die Auswertung des Zervixschleims ist für mich am Zyklusblatt nicht deutlich genug erkennbar. Auch die Kombination von Muttermund und Temperatur ist nicht möglich.

Für die Stillzeit und die Wechseljahre (trotz Funktion „Menopausenregeln anwenden“) ist die App unbrauchbar, da man hier optimalerweise den Muttermund auswerten müsste und die Auswerteregeln sowieso noch mal etwas andere sind.

Für einen Zyklus nach hormonellen Verhütungsmitteln eignet sie sich ebenfalls nicht - es lässt sich kein zusätzlich höherer Messwert einstellen.

Für den Kinderwunsch finde ich die App grundsätzlich geeignet. Sie zeigt eine hohe Zervixschleimqualität an, und weitere Fruchtbarkeitszeichen wie Eisprungsblutung, Mittelschmerz und Muttermund lassen sich eintragen, wenn auch nicht übersichtlich genug darstellen. Die App kennzeichnet dafür die hochfruchtbare Zeit farblich am unteren Rand des Zyklusblatts. Am 18. Hochlagentag (bei sensiplan NACH 18 Hochlagen-Tagen) geht die Lily App von einer möglichen Schwangerschaft aus und berechnet bei Eingabe eines positives Schwangerschaftstests einen „wahrscheinlichen Geburtstermin“ nach den sensiplan-Regeln.

Für NFP-Neulinge gibt es ein paar nette Features, wie z.B. den Reminder oder den Zervixschleim-Assistenten.

Mein Fazit


Als jahrelange NFP-Anwenderin (AG NFP) möchte ich auf meine gewohnten Zervixschleimbeschreibungen, Störfaktoren und Körperzeichen zurückgreifen können, dies kann ich mit der App nicht befriedigend. Auch das Zyklusblatt ist mir zu unübersichtlich - ich möchte auf wenigen Blicken ein klares Bild vom Zyklus bekommen ohne umständlich bei einzelnen Tagen nachschauen zu müssen. Die Lily App orientiert sich zwar an der Symptothermalen Methode der AG NFP (Sensiplan), ist mit dieser aber nicht ident.

Irgendwie schade, denn das Menü spricht mich optisch sehr an und ich finde es auch äußerst praktisch.

Bildnachweise: eigene Screenshots der Zylus-App Lily App Version 3.6.2

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