Wie der Zyklus uns Frauen beeinflusst


In unserer Kultur gibt es kaum mehr Traditionen, die einer Frau helfen, die Zeit der Menstruation bzw. ihren Zyklus (das zyklische Geschehen) zu verstehen und zu nutzen.

All die verschiedenen Stimmungen bzw. Energien im Verlauf des weiblichen Zyklus werden durch Hormone gesteuert und haben wichtige Funktionen: in der fruchtbaren Zeit wird Kontakt gefördert, in der unfruchtbaren Phase, in der die Frau sogar anfälliger für Krankheiten ist, zieht sie sich eher zurück – kann sie ihren Bedürfnissen nicht nachgehen, kommt es zu einem Ungleichgewicht.


Vielleicht merkst du den Unterschied der verschiedenen Zyklusphasen, indem wie du dich unterschiedlich kleidest, andere Gerüche, Klänge oder Geschmäcker bevorzugst, und unterschiedliche Gedanken, Gefühle, Stimmungen und Träume zum Vorschein kommen. Auch Haut, Haare, Gewicht, körperliche Leistungsfähigkeit, Verdauungssystem und Libido verändern sich während des Zyklus.

All dies kannst du auch, falls du Zyklusaufzeichnungen machst, in deinem Zyklusblatt (z.B. unter „Besonderheiten“) oder einem Notizbuch festhalten und deinen Zyklus, und damit dich, somit besser verstehen.

Unterschiedliche Energien während des Zyklus

Das Sich-Zurückziehen vor oder spätestens während der Menstruation:


Oftmals wird abschätzig von Stimmungsschwankungen vor/ während der Menstruationsblutung gesprochen, die Frau sei reizbar und hätte oder bekomme wohl „ihre Tage“. Doch in der Phase der Menstruation liegt ein großes Erholungs- und Regenerationspotential für die Frau, wenn sie es zu nutzen weiß bzw. die Umgebung sie dabei unterstützt.

Eine Frau erlebt sich in dieser Phase als sehr unabhängig. Das Verlangen nach Sex erlebt einen Höhepunkt.

Eine Frau fühlt während der Menstruation tiefer und ist deshalb verletzlicher, wenn sie sich diesen Empfindungen öffnet. Sie fokussiert sich auf sich selbst und zieht sich nun vom Alltagsleben zurück, und gelangt eventuell so zu tiefen Einsichten. Der Mann kann davon lernen und die Erfahrung schützen.

Die Gebärmutterschleimhaut blutet ab und die Sexualhormone rasseln in den Keller – dies ist ein wichtiger Reinigungsvorgang des Körpers, der mindestens drei Mal im Jahr erfolgen sollte. Begleitend braucht eine Frau in dieser Phase Verlangsamung, sowie mehr Schlaf, um sich zu regenerieren, die kreativen Energien wirken zu lassen und Altes gehen zu lassen.

Wie kann man eine Frau dabei unterstützen: das Bedürfnis nach Rückzug und Stille anerkennen und ihr eine Umgebung schaffen, die dies ermöglicht (z.B. ihr eine Auszeit gönnen, sie bekochen, die Kinder hüten und sonstige Anforderungen ruhen lassen), damit sie in die nächste Phase übertreten kann.


1. Zyklusphase – beginnt in den letzten Tagen der Menstruation bzw. nach Ende der Menstruation und erstreckt sich bis vor den Eisprung: gesellige, aktive Phase

In der ersten Zyklusphase (Follikelreifungsphase) wachsen die Eibläschen heran und der Eisprung wird vorbereitet. Dies geht mit einer Zunahme von Östrogenen einher, die Stimmung, Kontaktfreudigkeit, Libido, Konzentration und Gedächtnisleistung erhöhen, sowie Angst und Müdigkeit verringern.

In dieser Zyklusphase erleben Frauen einen Aufschwung ihrer Energie und richten sich wieder nach außen – sie erfahren sich jung, kräftig, energiegeladen, dynamisch, aktiv, euphorisch, verspielt, sinnlich und selbstbewusst. Projekte werden nun in Angriff genommen, andere Menschen getroffen, Spaß erlebt und die aus der Zeit der Menstruation gewonnen Einsichten und Ideen können umgesetzt werden. Diese Phase eignet sich besonders gut für die Aufnahme von Nährstoffen und Heilmitteln.

Phase um den Eisprung: nährende, liebende Energie

Die Östrogene steigern sich in dieser Phase bis zu ihrem Maximum und setzen dadurch über einen Rückkoppelungsmechanismus im Gehirn den Eisprung in Gang.

Frauen erleben sich in dieser Phase nährend, selbstlos, liebevoll, gefühlvoll, verbunden, aufnehmend und hingebungsvoll. Die Lust auf Sex ist besonders hoch und verbindet sich mit tiefer Liebe. Gemeinsamkeit und Schöpfungskraft stehen im Vordergrund – die Frau unterstützt andere, sie gibt von ihrem Können und ihrer Liebe. Gefühle und Empfindungen werden sehr wichtig.

2. Zyklusphase – nach dem Eisprung bis (kurz) vor der Menstruation: nun wird es wieder ruhiger

Wenn die Eizelle gesprungen ist, bereitet sich der Körper der Frau auf eine mögliche Schwangerschaft vor. Nun überwiegt das Hormon Progesteron, das entspannend und dämpfend wirkt, und besonders Eileiter und Gebärmutter beruhigt. Es kommt vermehrt zu Wassereinlagerungen, Gewichtszunahme und Darmträgheit.

Eine Frau in der zweiten Zyklusphase (Lutealphase) beginnt sich wieder mehr auf sich selbst zu besinnen und von anderen zurück zu ziehen. Sie erlebt sich müde und ruhiger, denn ihre physische Energie reduziert sich zunehmend und dadurch wird sie auch immer weniger mit Alltagsstress fertig. Ihre Sexualität kann nun fordernde Züge annehmen.

Wird diese Phase unterdrückt, kann es zu Ruhelosigkeit, Frustration und Stimmungsschwankungen kommen.

Literatur:

Gray, Miranda (2007): Roter Mond: Von der Kraft des weiblichen Zyklus. Schirner Verlag, Darmstadt

Pröll, Gabriele (2002): Meine Tage. Bauer Verlag, Freiburg


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