Vaginale Untersuchungen: unnötiges Übel? – Teil 2: Schwangerschafts-Vorsorge


Ein kräftiger Gebärmutterhals/ Muttermund liegt in der Schwangerschaft oben und nach hinten geneigt, sodass man ihn nicht erreichen kann ("weg vom Baby"), weiters ist er geschlossen und mit dem Schleimpropf abgedichtet. Schaut also aus, als ob man einige Anstrengung unternehmen müsste, ihn überhaupt zu ertasten. Ist das denn überhaupt nötig?

Routinemäßige vaginale Untersuchungen während der Schwangerschaft haben keinen belegbaren Nutzen (Buekens et al., 1994).



Bei routinemäßigen vaginalen Untersuchungen während der Schwangerschaft können Keime von der Vaginalöffnung bzw. dem vorderen Teil der Vagina nach oben geschoben werden (egal, ob mit oder ohne Handschuhen), des Weiteren können sie Blutungen, Unbehagen, Schmerzen und sogar einen Blasensprung verursachen.

Außerdem handelt es sich hierbei um einen sehr intimen Körperteil der Frau, der dabei betastet wird – und Routine sollte dies nie sein.

Es gibt Hinweise, dass eine Tastung des Muttermundes in der späten Schwangerschaft die Geburt einleiten kann (Mitchell, 1977).

Der Öffnungsgrad des Muttermundes sagt nichts Besonderes aus: eine schwangere Frau kann vor der Geburt einige Zentimeter eröffnet sein und für Wochen nicht gebären oder gar nicht eröffnet sein und binnen ein paar Tagen gebären (Kaplan Shanley, 2012).

Die Diagnose „Verkürzter Gebärmutterhals“ ist nicht aussagekräftig, da der Ausgangszustand meist nicht erhoben wurde - die schwangere Frau kann schon zu Beginn einen statistisch kurzen Gebärmutterhals gehabt haben.

Der Gebärmutterhals wird bis dato noch viel zu wenig in Bezug auf Schwangerschaft verstanden (Nott, 2016). Weder gibt es eine einheitliche Definition für einen kurzen Gebärmutterhals, noch einen objektiven diagnostischen Test für „Gebärmutterinsuffizienz“ (ein Gebärmutterhals, der das Baby nicht zur Genüge halten kann), und nur ein Bruchteil der Frauen mit bezeichnetem „verkürztem Gebärmutterhals“ gebären tatsächlich frühzeitig (Hassan et al., 2011).

Hier weiterlesen:

Vaginale Untersuchungen: unnötiges Übel? – Teil 1: Die Vaginale Untersuchung im Rahmen der Gynäkologischen Vor-Sorge

Vaginale Untersuchungen: unnötiges Übel? – Teil 3: Die Vaginale Untersuchung während der Geburt

Quellen:

Buekens, P. et al.: Randomised controlled trial of routine cervical examinations in pregnancy. The Lancet, Volume 344, No. 8926, p841–844, 24 September 1994.

Hassan, S. et al.: Cervical Insufficiency. In: H. Winn, F. Chervenak, R. Romero (Eds.), Clin. Matern. Med. Online, Informa Healthcare (2011).

Kaplan Shanley, L.: Unassisted Childbirth. 2012, ABC-Clio, California.

Mitchell, M.D. et al.: Rapid increases in plasma prostaglandin concentrations after vaginal examination and amniotomy. British Medical Journal 1977;2(6096):1083-5.

Nott, J.P..: The structure and function of the cervix during pregnancy. Translational Research in Anatomy Volume 2, March 2016, Pages 1-7.


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