Natürliche Geburt - Teil 2: Schmerzfreie Geburt


Muss Geburtsschmerz wirklich sein?

Nein! Eine Geburt ist ein komplett natürlicher und gesunder Prozess, und als solcher muss er nicht mit Schmerz verbunden werden. Es wäre nicht sehr logisch, dass die Geburt als einziger gesunder Prozess mit Schmerzen verbunden wäre.



According to physiological law, all natural, normal functions of the body are achieved without peril or pain. Birth is a natural, normal, physiological function for normal, healthy women and their healthy babies. It can, therefore, be inferred that healthy women, carrying healthy babies, can safely birth without peril or pain.
Dr. John Dye

Doch die psychische Verfassung einer gebärenden Frau spielt eine enorme Rolle im Geburtsgeschehen.

Im entspannten Zustand nimmt eine gebärende Frau die Muskeltätigkeit der Gebärmutter als wellenförmige Muskelbewegungen wahr – das muss überhaupt nicht schmerzvoll sein. Schmerz ist ein Warnsignal und zeigt einer Frau während der Geburt an, dass die Bedingungen nicht die richtigen sind, um hier und jetzt ihr Kind zur Welt zu bringen oder dass sie sich besser in eine andere Position bringen sollte.

Wenn wir Angst haben (z.B. vor möglichen Komplikationen, einer fremden Umgebung, Schmerzen) signalisiert dies, wie wir nun wissen, dem Körper Gefahr. Angst führt zu Verspannungen im Körper und Verspannung macht Schmerz (Klusman, 1975; Dick-Read, 2004), weil der angespannte Muttermund (die ringförmigen Muskeln) steif wird (er kann sich sogar total verschließen) und die Längsfasern der Gebärmuttermuskulatur nun an ihm zerren – Aua! Schmerz führt zu noch mehr Angst und damit zu Verspannung usw.

Solange die gebärende Frau unter Angst und Spannung steht, können die so wichtigen Geburtshormone nicht fließen und die Geburt kann nicht ihrem natürlichen Verlauf folgen.

Dies nennt man das von Grantley Dick-Read in den 1940er Jahren beschriebene Angst-Spannungs-Schmerz-Syndrom (Fear-Tension-Pain Syndrome).

In unserem Kulturkreis wachsen Frauen damit auf, dass Geburten gefährlich und schmerzhaft sein sollen, dass ihre Körper fehlerhaft und unzuverlässig sind und diese kontrolliert werden müssen (z.B. Vorsorge in der Schwangerschaft, Unterdrückung des weiblichen Zyklus’ mittels hormonellen Verhütungsmitteln, Hormontherapie in den Wechseljahren), und besonders dass sie, obwohl körperlich dafür ausgestattet, seltsamerweise nicht in der Lage sein sollen, ihre Babys zu gebären – sie brauchen dazu eine wie auch immer geartete Intervention von außen.

Negative Geburtsberichte von Freundinnen, dramatisch inszenierte Geburten in Filmen und Serien und selbst herkömmliche Geburtsvorbereitungskurse schweißen all dies in die Köpfe der Eltern ein, ohne die Ursachen dafür zu erklären. Kein Wunder, dass sich eine Frau daraufhin verkrampft und glaubt, nicht fähig zu sein, ihr Kind aus eigener Kraft auf die Welt zu bringen, wenn sie nun selbst „an der Reihe“ ist.

Es genügt, dass wir an Gefahr denken, um das Not-Programm unseres Körpers zu aktivieren, denn dieses unterscheidet nicht zwischen real und eingebildet. Denk beispielsweise an etwas, das dir Angst macht, und du wirst merken, dass dein Pulsschlag sich erhöht usw.

Wenn wir Schmerzen erwarten, werden wir auch wahrscheinlich welche spüren. Frauen aus Kulturen, in denen Geburt als schmerzhaft gilt, haben schmerzhaftere Geburten und umgekehrt (Senden et al., 1988; Green, Coupland & Kitzinger, 1990; Callister et al., 2003).

Frauen mit weniger Angst und mehr Zutrauen haben weniger Schmerzen (Lowe, 1989 & 1991; Callister et al., 2003), wohingegen Frauen mit Angst vor der Geburt längere (Lederman et al., 1978; Adams, Eberhard-Gran & Eskild, 2012) und interventionsreichere bzw. kompliziertere Geburten (Laursen, Johansen & Hedegaard, 2009) haben.

Was ist nun die Lösung?

Wenn Frauen wieder ihren Körpern vertrauen, werden sie wieder ohne Angst gebären können.

Wenn wir entspannt sind und Zutrauen ins uns haben, wird das Parasympathische Nervensystem (der ventrale Ast) aktiviert, das für Erholung und Stoffwechsel zuständig ist – die Geburtshormone können fließen, wir fühlen uns wohl, Blut fließt u.a. in die Gebärmutter und die Organe und Muskeln spielen perfekt zusammen.

Dies können wir über Entspannungs- und Atemübungen, innere Bilder, liebevolle Berührungen, sowie über Wissen um die Vorgänge im Körper während der Geburt, und daher um das Wissen einer geburtsförderlichen Umgebung, und über die Auflösung von Ängsten und negativen Einstellung rund um die Geburt erreichen.

Fragen an dich:

1. Was sind deine Überzeugungen von Geburt? Und was ist ihr Wahrheitsgehalt?

2. Helfen dir diese Überzeugungen, eine Geburt zu haben, die du dir wünschst?

3. Wie müssten deine Überzeugungen aussehen, damit du eine Geburt haben kannst, die du dir wünschst?

4. Welche Umgebung brauchst du, um so richtig loslassen zu können? Schaff sie dir! Du bist es wert.

Quellen:

Adams S.S., Eberhard-Gran M. & Eskild A.: Fear of childbirth and duration of labour: a study of 2206 women with intended vaginal delivery. BJOG. 2012 Sep;119(10):1238-46.

Callister, L.C. et al.: The Pain of Childbirth: Perceptions of Culturally Diverse Women. Pain Manag Nurs. 2003 Dec;4(4):145-54.

Dick-Read, G.: Childbirth without Fear: The Principles and Practice of Natural Childbirth, Pinter & Martin 2004.

Dye, J.: Easy childbirth or healthy mothers and healthy children: A book for all women. 1891, Buffalo, New York

Green, J.M., Coupland, V.A. & Kitzinger, J.V.: Expectations, experiences, and psychological outcomes of childbirth: A prospective study of 825 women. Birth. 1990 Mar;17(1), 15-24.

Klusman, L.E.: Reduction of pain in childbirth by the alleviation of anxiety during pregnancy. Journal of Consulting and Clinical Psychology, Vol 43(2), Apr 1975, 162-165.

Laursen M., Johansen C. & Hedegaard M.: Fear of childbirth and risk for birth complications in nulliparous women in the Danish National Birth Cohort. BJOG. 2009 Sep;116(10):1350-5.

Lederman R.P. et al.: The relationship of maternal anxiety, plasma catecholamines, and plasma cortisol to progress in labor. Am J Obstet Gynecol. 1978 Nov 1;132(5):495-500.

Lowe, N.K.: Explaining the pain of active labor: the importance of maternal confidence. Res Nurs Health. 1989 Aug;12(4):237-45.

Lowe, N.K.: Maternal confidence in coping with labor: A self-efficacy concept. Journal of Obstetric, Gynecologic, and Neonatal Nursing, 1991 November, 20(6), 457-463.

Senden, I.P. et al.: Labor pain: a comparison of parturients in a Dutch and an American teaching hospital. Obstet Gynecol. 1988 Apr;71(4):541-4.


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