Loop Emotionen und Unterdrückte Emotionen

Der Begriff Emotion (lat. herausbewegen) fasst die folgenden Komponenten zusammen: physiologische Reaktion auf ein Ereignis/ eine Situation, beobachtbarer Ausdruck, das gefühlsmäßige Erleben (Gefühle) und kognitive Prozesse (z.B. Bewertung).

Eine Emotion dient der Anpassung an die jeweilige Situation.

Es gibt Emotionen, die wir ausdrücken können und danach sind wir erleichtert. Doch manche Emotionen sind schwieriger auszudrücken („unterdrückte Emotionen“), andere wiederum spulen wir fast dauerhaft ab, ohne dass deren Ausdruck uns Erleichterung verschafft (“Loop Emotionen“).


Unterdrückte Emotionen

Während der Kindheit lernen wir den Umgang mit Emotionen von unseren Bindungspersonen bzw. wie diese auf unsere Emotionen reagieren. Werden unsere Emotionen abgelehnt oder ignoriert oder haben unsere Bindungspersonen Schwierigkeiten gewisse Emotionen auszudrücken, beginnen wir diese Emotionen zu unterdrücken, indem wir uns anspannen und flacher atmen, und in weiterer Folge unterdrücken wir dadurch auch andere Emotionen.

Taucht im Erwachsenenleben dann eine für uns unangenehme Emotion auf, die wir nicht fühlen wollen, vermeiden wir sie: wir beginnen uns Geschichten zu konstruieren (oder uns bereits konstruierter Geschichten zu bedienen), lenken uns ab, arbeiten, entwickeln Süchte und so weiter.

Die biochemische Form von Emotionen sind Peptide (Pert, 1997). Sie können überall im Körper ausgeschüttet werden (z.B. Organe, Gewebe, Muskeln, Drüsen), docken an Zellen an sogenannten Rezeptoren an und geben so Informationen an Zellen weiter - Emotionen sind nur Informationen!

Die Zellen können diese emotionale Information speichern (body memory).

Unterdrückte Emotionen stecken förmlich im Körper fest und will man sie lösen, müssen sie bewusst wahrgenommen (benannt), anerkannt und ausgedrückt werden – sie müssen „in Bewegung“ kommen dürfen.


Wie können wir mit unseren Gefühlen in Kontakt kommen?

Alles, was es braucht, ist, dass das, was unterdrückt wird, auftauchen darf – damit es bewusst wird und verarbeitet werden kann. Eine Lösung muss nicht gefunden werden, sie taucht von alleine auf.

Willst du blockierte Emotionen lösen, fokussierst du dich auf das, was du gerade nicht fühlen möchtest. Du benennst es oder spürst dieses „Durcheinander-Sein“. Beobachte die Emotion, erlaube ihr da zu sein. Lass sie sich ausbreiten, so weit es geht. Leg deine gesamte Aufmerksamkeit auf dieses Gefühl. Lass diese Emotion sich durch dich hindurch bewegen ohne dass du sie änderst, dich mit ihr identifizierst oder ihr eine Geschichte gibst (keine Bewertung, keine Versuche, sie loszuwerden). Dafür ist es sehr hilfreich, dass du auf die Ebene der körperlichen Empfindungen gehst (pulsierend, vibrierend, brennend, heiß, kalt etc.) und sie im Körper spürst (vgl. Nummenmaa, 2014). Erspüre, was dein Körper macht, um diese Emotion nicht zu spüren (z.B. flache Atmung, Spannung im Hals). Was braucht es, um diese Emotion zu erfahren?

Atmung, Stimme, Bewegung und Berührung miteinzubinden, um die Emotionen zu lösen, wird von den meisten Menschen als sehr hilfreich empfunden.

Du kannst so tief wie du kannst in den Körperteil, in dem du die Emotion spürst, atmen – du kannst eine Hand darauf legen und zur Hand atmen.

Und letztlich kannst du dir die Frage stellen: Was will mir diese Emotion sagen? Welches Bedürfnis ist unerfüllt?



This being human is a guest house.

Every morning a new arrival. A joy, a depression, a meanness,

some momentary awareness comes

As an unexpected visitor.

Welcome and entertain them all! Even if they are a crowd of sorrows,

who violently sweep your house empty of its furniture, still, treat each guest honorably. He may be clearing you out

for some new delight. The dark thought, the shame, the malice. meet them at the door laughing and invite them in.


Be grateful for whatever comes. because each has been sent as a guide from beyond. - Jalaluddin Rumi



Was sind Loop Emotionen? Warum bringt es nichts, sie auszudrücken?

Emotionen, die aus einem traumatischen Erlebnis heraus entstanden sind, werden durch ihren Ausdruck nur verstärkt, aber nicht aufgelöst.


Docken über Jahre hinweg immer wieder die gleichen Peptide an Zellen an, reagiert der Körper wie folgt: a) entweder die Zellen lassen mehr Andockstellen für die Peptide wachsen und verlangen nach immer größeren Mengen des Peptids oder b) die Zellen schließen ihre Andockstellen gegenüber diesem Peptid und öffnen sie nur noch für intensivere Peptide bzw. Emotionen.

Zusammengefasst: Der Körper verlangt also nach immer mehr von dieser spezifischen Emotion oder nach einer noch intensiveren Emotion.

Aushungern der Loop Emotionen

Das beste, das man bei Loop Emotionen tun kann, ist, sie nicht mehr mit Aufmerksamkeit zu nähren.


Eine Loop Emotion ist ein sich wiederholendes Muster und wird durch ständiges Abspulen nur noch mehr verstärkt – der Körper erzeugt weiterhin die gleichen Stoffe, die in der Vergangenheit produziert wurden, und so kann er nur glauben, noch immer in der gleichen Situation zu sein, so kann er nur immer wieder das gleiche fühlen.

Du hast die Wahl, ob du die Vergangenheit in der Gegenwart wiederholst oder ob du etwas Neues bzw. den Moment lebst.

Wir können uns fragen, was wir stattdessen fühlen wollen: Liebe, Dankbarkeit, Bewunderung, Wertschätzung. Wofür kannst du Dankbarkeit (Liebe, Bewunderung etc.) fühlen? Oder kannst du dich an einen Moment erinnern, an dem du dich frei, stark und offen gefühlt hast? Kannst du ihn körperlich spüren? Oder kannst du dir in der Zukunft etwas vorstellen, was sich genauso anfühlt, so als wärst du schon dort?

Diese höheren Emotionen erzeugen ganz andere Stoffe und helfen bei der Sucht nach bestimmten Peptiden.

Kommt dann wieder ein Moment, der nach der gleichen Emotion verlangt, können wir stoppen und wahrnehmen, dass wir nur wieder in einem Muster sind, das wir nicht mehr haben möchten.

Wir fokussieren auf die Atmung und körperliche Empfindungen, vielleicht Bewegungsimpulse.

Dann wechseln wir vom Leiden in die „höhere Emotion“ (z.B. Dankbarkeit).

Welche Emotionen würdest du gerne besser ausdrücken können?

Was fehlt aufgrund dieser Blockade in deinem Leben?

Welche intensiven Emotionen würdest du gerne regulieren können?

Arbeitest du schon seit Jahren an den gleichen Emotionen bzw. den gleichen Themen und es scheint sich nichts zu lösen? Dann arbeitest du in Wirklichkeit nur an deinem Loop und verstärkst ihn.

Wie lange möchtest du noch damit leben?

Quellen:

Nummenmaa, L. et al.: Bodily maps of emotions. Proc Natl Acad Sci U S A. 2014 Jan 14;111(2):646-51.

Pert, C.B.: Molecules of Emotion. The Science Behind Mind-Body Medicine. Scribner, New York, 1997

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