Die 10 größten Mythen um die Eizelle


Um die Eizelle ranken sich viele Mythen, von denen sich die meisten hartnäckig halten, obwohl es mittlerweile genug Evidenz dagegen gibt. Im Folgenden möchte ich mich mit den 10 größten Mythen um die Eizelle beschäftigen.

Mythos 1: Die Eizelle wird mit der Menstruation ausgeschwemmt


Nein, die Eizelle wird nicht mit der Menstruation ausgeschwemmt, denn sie lebt nur 12-18 Stunden nach dem Eisprung (O’Herlihy et al., 1980). Danach wird sie durch weiße Blutkörpchen, den „Makrophagen“, im äußeren Drittel des Eierstocks aufgelöst - es sei denn, sie wird von einem Spermium befruchtet.



Mythos 2: Die Eizellen werden während eines Zyklus gebildet


Nein. Die Eizellen sind bereits alle während ihrer Zeit im Bauch der Mutter vorhanden (bereits ab dem 2 Schwangerschaftsmonat gebildet), die sich im Laufe der Zeit reduzieren. Ab der Pubertät beginnen die Eibläschen, in denen sich je eine Eizelle befindet, in Kohorten von je 50-300 Eibläschen heranzureifen. Die Entwicklung eines Eibläschens aus dem Ruhezustand bis zum sprungreifen Eibläschens dauert ca. 3 Monate. Insgesamt können im Leben einer Frau 400-450 Eizellen springen.

Mythos 3: Es gibt mehrere Eisprünge in einem Zyklus


Jein. Mehrere Eisprünge binnen eines Zyklus müssen binnen einiger weniger Stunden passieren. Es ist nicht möglich, dass ein zweiter Eisprung mehrere Tage nach dem ersten Eisprung auftritt, weil nach einem Eisprung das Progesteron im Blut ansteigt und weitere Eisprünge für diesen Zyklus verhindert. Der Mythos der "doppelten Eisprünge" leitet sich aus einer Studie zur wellenförmigen Follikelreifung ab (Baerwald, Adams & Pierson, 2003). Das heißt, dass mehrere Eibläschen-Kohorten während eines Zyklus heranreifen können, dann aber unter ungünstigen Bedingungen wieder verfallen, bis die nächste Kohorte übernimmt, um sich abermals an einem Eisprung zu "versuchen" - dies wurde falsch interpretiert und angenommen, jede Kohorte an Eibläschen komme zum Eisprung.

Mythos 4: Das erste Spermium, das die Eizelle erreicht, befruchtet sie


Eher unwahrscheinlich. Die Eizellhülle aufzulösen, ist ein Gemeinschaftsakt der Spermien. Die Eizelle macht an der Stelle auf, an der sich das passende Spermium befindet, nicht das erste Spermium „gewinnt“ automatisch.


Mythos 5: Der Eisprung ist immer am 14. Tag


Nein. Annäherungsweise spricht man in einem 28-Tage-Zyklus vom 14. Tag als ungefähren Eisprungstag, da man davon ausgeht, dass die zweite Zyklusphase im Durchschnitt 14 Tage dauert (sie kann tatsächlich auch beispielsweise 5 Tage oder 18 Tage dauern). Das heißt wiederum, dass ein Zyklus, der 35 Tage dauert, seinen Eisprung durchschnittlich um den 21. Tag herum hat.

Zyklen sind im Normalfall zwischen 23 und 35 Tagen lang, wobei die Zykluslänge von Zyklus zu Zyklus schwankt. Die Zykluslänge ist fast zur Gänze auf Schwankungen in der Länge der ersten Zyklusphase zurückzuführen.


Mythos 6: In jedem Zyklus gibt es einen Eisprung


Nein, nicht in jedem Zyklus gibt es einen Eisprung. In solchen monophasischen/ anovulatorischen Zyklen reichen die Östrogene nicht aus, um in weiterer Folge einen Eisprung auszulösen. Des Weiteren findet durch den fehlenden Progesteronanstieg keine Temperaturhochlage statt und der Zyklus endet mit einer Abbruchblutung. Vermehrt treten solche anovulatorischen Zyklen in der Pubertät, nach einer Schwangerschaft, nach Absetzen eines hormonellen Verhütungsmittels, in den Wechseljahren, bei Stress, bei Fastenkuren oder Essstörungen auf. Achtung: Ein Hormonbluttest zur Bestätigung eines Eisprungs durchgeführt, hat nichts zu bedeuten, da er rein zufällig im Zyklus der Frau durchgeführt wird. Zur Bestätigung eines Eisprungs kann nur eine tägliche Ultraschallmessung oder besser Natürliche Familienplanung (NFP) nach der Symptothermalen Methode herangezogen werden.

Mythos 7: Der Eisprung findet abwechselnd in den Eierstöcken statt


Nein. Der Eisprung findet nicht abwechselnd in den Eierstöcken statt (Ecochard & Gougeon, 2000): hat eine Frau einen Eierstock, springt immer daraus eine Eizelle; hat eine Frau zwei Eierstöcke, springt die Eizelle nach dem Zufallsprinzip (also auch mal monatelang aus ein und demselben Eierstock).

Mythos 8: Der LH-Teststreifen (Ovulationstest) zeigt einen Eisprung an


Nicht unbedingt. Auch wenn der LH-Streifen einen Eisprung anzeigt, muss trotzdem keiner stattfinden.

LH bedeutet "Luteinisierendes Hormon" und sorgt u.a. für die Auslösung eines Eisprungs (der Eisprung erfolgt ca. 24-36 Stunden nach dem ersten signifikanten LH-Anstieg). Mittels eines LH-Tests soll die LH-Konzentration im Urin gemessen werden. LH wird pulsierend freigegeben und so kann ein LH-Test am gleichen Tag einmal positiv und einmal negativ sein. Außerdem schwanken die Normalwerte an LH von Frau zu Frau und es gibt mehr oder weniger sensible LH-Tests, sodass es möglich ist, dass ein LH-Teststreifen bei einer Frau falsch positiv anzeigt bzw. falsch negativ anzeigt. Somit sind solche Teststreifen sowohl zur Verhütung, als auch zum Kinderwunsch zu unzuverlässig.


Mythos 9: Wenn eine Frau die Pille o.a. hormonelle Verhütungsmittel nimmt, die den Eisprung unterdrücken, spart sie damit Eizellen


Nein. Die Eizellen, die im Eierstock verbleiben, altern mit der Frau – die fruchtbare Lebenspanne einer Frau lässt sich so nicht verlängern.

Mythos 10: Den Eisprung kann man spüren


Eher unwahrscheinlich. Der Mittelschmerz kündigt höchstwahrscheinlich den Eisprung an. Dieser Schmerz kann vom nicht lokalisierbaren sekundenlangen bis hin zum tagelangen Unterbauchschmerz reichen. Er kann außerdem bis in den Rücken, die Beine und den Dammbereich ausstrahlen. Die Ursache ist dabei noch unklar. Es könnte sich um eine Hyperperestaltik des Eileiters handeln, sowie um Kontraktionen im oberen Gebärmutterteil, um Reizung des Eierstocks durch den vergrößerten Follikel oder um eine Bauchfellreizung durch ausgetretene Flüssigkeit beim Eisprung. Nur etwa 30-40% der Frauen bemerken den Mittelschmerz und nur bei 17% der Frauen tritt er regelmäßigen in jedem Zyklus auf.

Lust, mit deiner Fruchtbarkeit in Kontakt zu kommen und noch mehr Mythen zu entlarven?

Literatur:

Baerwald, Adams & Pierson: Characterization of ovarian follicular wave dynamics in women. Biol Reprod. 2003 Sep;69(3):1023-31. Epub 2003 May 14

Ecochard & Gougeon: Side of ovulation and cycle characteristics in normally fertile women. Hum Reprod. 2000 Apr;15(4):752-5

O’Herlihy et al.: Preovulatory follicular size: a comparison of ultrasound and laparoscopic measurements. Fertil Steril. 1980 Jul;34(1):24-6

Raith-Paula, E., Frank-Herrmann, P., Freundl G., Strowitzki, T. (2013): Natürliche Familienplanung heute, Springer Medizin Verlag Heidelberg


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