Beikostanfang Teil 2: Breikost - Beikost längst vergangener Zeiten?


Woher kommt denn die Breikost?


Die Breikost ist sehr alt – wenn auch nicht so alt wie das Stillen und die Beikost mittels Fingerfood.

Breinahrung bzw. Getreideschleim und die Milch anderer Säugetiere galten seit Jahrhunderten als minderwertiger Ersatz für die Kinder, die keine Muttermilch bekamen. In den 1950er und 1960er Jahren wurde Brei als Babynahrung reihenweise eingeführt, weil auch die massenhaft künstliche Säuglingsnahrung, die die meisten Babys statt Muttermilch bekamen, derart unzureichend war, um ein Baby zu ernähren. Säfte und Tee wurden ebenfalls gegeben, um die langen und unnötigen Stillpausen etwas zu überwinden, da die Kinder vor Hunger schrieen.

Auch ältere Kinder (ab 6 Monaten) durften nicht selbst essen, sie wurden nach wie vor mit dem Löffel oder der Flasche gefüttert – daher auch der berühmte Satz „Mit dem Essen spielt man nicht“. Außerdem wurden Pläne zur Einführung von diversen Gemüse- und Obstsorten vorgelegt. Zum Beispiel galt in den 1940er Jahren der 5 Mahlzeiten-Plan zu fixen Zeiten mit genauen Mengenberechnungen, mit der die Stillmahlzeiten Schritt für Schritt ersetzt wurden.

Selbstbestimmtes Essen (Baby-Led Weaning, Breifrei, Fingerfood) ist evolutionär viel älter und der Breinahrung vorzuziehen, denn beim Essen-Lernen geht es nicht darum, Nahrung aufzunehmen, sondern spielerisch damit umgehen zu lernen. Ein Breikost-Plan führt zum muttergeleiteten Abstillen, und nicht dazu, essen zu lernen. Muttermilch ist im 1. Lebensjahr DIE Hauptnahrungsquelle.

Kinder, die gleichzeitig Beikost bekommen und stillen, essen im Allgemeinen weniger Beikost und stillen mehr. Das ist vollkommen normal und gesund, und sollte nicht durch Reduzieren des Stillens manipuliert werden.

Kalorienvergleich Karotten - Muttermilch: noch nicht einmal 450 g gekochte Karotten enthalten so viele Kalorien wie 100 ml Muttermilch, ganz zu schweigen von der Variation der Nährstoffe und der in der Muttermilch enthaltenen Immunstoffe.

Wer nun aber doch nicht auf Brei verzichten will oder Brei mit Fingerfood mixen will, sollte zumindest um folgende Empfehlungen wissen:

Was ist bei Breikost zu beachten?

- vorher Stillen (Flasche geben)

- keine Stillmahlzeiten ersetzen: etwas Beikost zu den Mahlzeiten anbieten und weiterstillen

- einzelne Breie geben, sodass das Kind auch einzelne Geschmäcker kennen lernen kann

- nicht füttern, falls doch: Sättigungssignale beachten (Mund bleibt geschlossen, Kopf wird weggedreht, Esstempo verlangsamt sich)

- möglichst stückig pürieren (Brei muss gegessen, nicht getrunken werden)

- Wasser im Glas dazu anbieten

- leider wird der Brei nicht eingespeichelt (Enzyme fehlen) und Zunge und Kiefermotorik werden nicht trainiert

- der Würgereflex bleibt untrainiert

Selbst zubereiten oder Gläschenkost?


Bereitet man den Brei selbst zu, hat man die Kontrolle über Zucker- und Salzzugabe. Das Essen ist frisch und riecht nach Essen. Die Bestandteile können selbst ausgesucht werden.

Bei Gläschenkost nimmt man unerwünschte Zucker- und Salzzugaben in Kauf, ebenso die nachträgliche Anreicherung mit Vitaminen. Gläschenkost wird aus Haltbarkeitsgründen stark gekocht.

Akzeptiert ein Kind keinen Brei, kann jederzeit auf Fingerfood umgestellt werden.

Hier weiterlesen:

Beikostanfang Teil 1: Beikost nach Bedarf


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