7 Stolpersteine beim Erlernen und Anwenden der Natürlichen Familienplanung

Man stellt es sich so einfach vor: wenn man Zeit fürs aufs Klo-Gehen und 3 Minuten nach dem Aufwachen und vor dem Aufstehen hat, hat man genug Zeit zum Beobachten.


Für viele ist es so: sie wollen die Natürliche Familienplanung (Natural Fertility Awareness Method) anwenden, lernen die Regeln, freuen sich auf die Beobachtung und dann kommt der Alltag.


Besonders stressreich wird es, wenn man die Natürliche Familienplanung (NFP) so schnell wie möglich zur Verhütung oder zum Kinderwunsch anwenden will, aber es nicht so klappt, wie man es erwartet hat - wenn eine Erwartung dahinter steckt, die unrealitisch ist.


Ich empfehle, mindestens drei Zyklen als reine Übungszyklen zu beobachten, um Sicherheit und Erfahrung im Umgang mit der Methode zu sammeln. Darüber hinaus kommt es auf die individuelle Situation an, die diese Kennenlern-Phase verlängern kann. (Kleine) Kinder, Umzug, Arbeit, Urlaub und/ oder Beziehungen sind nur wenige Beispiele einer langen Liste an Umständen, warum das Erlernen und Erproben der NFP individuell länger dauern kann.


NFP ist nicht bloße Theorie, sondern wird erst in der Praxis verstanden. Erst durch die Anwendung erschließen sich die eigenen Problemfelder und Fragen tauchen auf – weswegen es so wichtig ist, sich bewusst zu sein, dass ein NFP-Kurs oder eine einführende Beratung nur die Basis für die eigenen Erforschungen legen kann.


Kurz gesagt: nur weil Fragen oder Probleme auftauchen, bedeutet das nicht, dass es nicht die geeignete Methode ist – es braucht nur mehr Zeit, Geduld, Begleitung, Austausch, Antworten...

Und nun zu den bekanntesten Stolpersteinen beim Erlernen/ beim Anwenden der Natürlichen Familienplanung nach der Symptothermalen Methode:

Stolperstein #1: nicht genug Temperaturwerte zusammen bekommen

„Jetzt bin ich schon aufgestanden und kann nicht mehr messen.“

Wenn du dich nicht noch mal eine Stunde zum Ruhen und Hinlegen kannst, war es das, stimmt.

Dies passiert öfters in stressreichen Zeiten, wenn man mit den Gedanken bereits bei der To Do-Liste ist.

„...die Kinder...“

Auch wenn man noch länger gemeinsam im Bett liegen bleibt, bewegt man sich vielleicht schon zu viel, um noch messen zu können. In diesem Fall kann man es nur ausprobieren und im Notfall als Störung ausklammern.

Einen Wecker als Reminder für die Messung zu stellen, wird von vielen Frauen erst dann als hilfreich empfunden, wenn sie genug Schlaf bekommen, zum Beispiel wenn das Kind bzw. die Kinder etwas älter ist/ sind.


Stolperstein #2: Störungen (klammern)


Es kann sein, dass so viele Störungen geklammert werden müssen, dass zu wenige Messwerte übrig bleiben. Ist das der Fall und ist dies gewünscht, so lässt sich eventuell der Lebensstil anpassen oder es genügt, diese eher beschwingte Zeit vorüber ziehen zu lassen mit dem Bewusstsein, dass die Temperatur so eben nur Störungen produzieren kann.


Manchmal scheitert es auch daran, dass es eine Kombination aus wenigen Messwerten und Störungen gibt, und sozusagen fast nichts übrig bleibt, mit dem man arbeiten kann.

Es kann auch sein, dass man potentielle Störungen als solche im Zyklusblatt nicht an der richtigen Stelle (nämlich an dem Tag, an dem sie die Messung stören können) einträgt (oder gar vergisst einzutragen), und sich damit sogar selbst verwirrt.

Stolperstein #3: Uneindeutiger Zervixschleim

„Ich habe nur Zervixschleim einer Qualität, ich finde keinen Höhepunkt.“

Dafür gibt es die sogenannte Binnendifferenzierung – eine einfache Regel, die den Zervixschleim innerhalb einer Kategorie unterscheiden lässt.

Dann gibt es die Möglichkeit, dass Erregungsschleim oder Ausfluss den Zervixschleim überdecken, sodass dieser nicht mehr eindeutig beobachtet werden kann.

Bei einer gestörten Zervixschleimbeobachtung besteht die Möglichkeit, auf die Beobachtung des Muttermunds zu wechseln.


Stolperstein #4: Angst, Ekel oder Scham vor der Muttermundbeobachtung


Es gibt viele Gründe, warum Frauen es bevorzugen, den Zervixschleim statt des Muttermundes zu beobachten - bei vielen schwingt sogar Angst, Ekel oder Scham mit.


„Da möchte ich nicht hingreifen.“

„Da hatte ich bei der Geburt Schmerzen./ Der ist bei der Geburt nicht aufgegangen./ Mir wurde der Muttermund bei der Geburt geweitet.“ usw.

„Das erinnert mich an den PAP-Abstrich.“

...

Wenn er schon so oft unsanft berührt wurde, warum sollte man den Muttermund dann auch noch regelmäßig selbst berühren wollen?!

Der Muttermund möchte nicht unachtsam, schnell und menchanisch berührt werden (mehr dazu im Blog-Artikel Vaginale Untersuchungen bzw. in meinem E-Book).


Dieser Punkt bekommt – meiner Meinung nach – in der Natürlichen Familienplanung zu wenig Aufmerksamkeit, und deswegen habe ich für diejenigen, die den Muttermund sanft, respektvoll und bewusst erforschen wollen, eine Anleitung zur Muttermund-Ertastung geschaffen. Wenn du mehr darüber wissen willst, melde dich bei mir beziehungsweise sprich mich direkt darauf an.

Stolperstein #5: Sex während der fruchtbaren Zeit

In die fruchtbare Phase fällt ein Großteil der Follikelphase und auf jeden Fall die Eisprungszeit. Jede Frau empfindet ihre Sexualität in diesen Phasen (etwas) anders, darum empfehle ich hier, die eigene Sexualität in den verschiedenen Zyklusphasen zu erleben, um herauszufinden, ob Geschlechtsverkehr in der fruchtbaren Zeit tatsächlich so wichtig ist, wie angenommen oder ob es vielleicht gar andere Vorlieben zu dieser Zeit gibt.


Es kann sein, dass man sich auch gar nicht bewusst ist, dass man jede Zyklusphase sexuell gesehen anders erlebt und dass man sich sehr auf das steigende Östrogen fokussiert. Und dann kann eine Mischung aus „nun habe ich (endlich) Lust auf Sex“ und „Geschlechtsverkehr ist das einzig Wahre bzw. die einzige Möglichkeit, dieses Bedürfnis zu befriedigen“ entstehen.


Zwar gibt es immer die Möglichkeit der Mix-Methode (in der fruchtbaren Phase mit Barrieremethoden zusätzlich zu verhüten), aber viele Menschen, die NFP erlernen, wollen dieses Risiko nicht eingehen, vielmehr wollen sie „unter gar keinen Umständen schwanger werden“ und wollen so keinen Geschlechtsverkehr in der fruchtbaren Phase haben.

Für viele ist es schwer zu begreifen, dass Sex weit mehr als nur Penetration der Vagina durch den Penis sein kann. Diese Sex-Art wird häufig als der heilige Gral angesehen, alles andere ordnet sich unter oder wird als mindere Qualität angesehen (siehe Blog-Artikel „Kein Sex in der fruchtbaren Zeit?“).

Vielmehr als verschiedene Sachen auszuprobieren, die mit dieser Einstellung nur scheitern können, empfehle ich die Einstellung genau zu betrachten und zu erweitern.


Jeder Mensch ist für seine sexuelle Bedürfnisbefriedigung verantwortlich. Auch wenn es schön ist, mit anderen Menschen intim zu werden, kann es viel vom Druck nehmen, nicht darauf angewiesen zu sein, um seine sexuellen Bedürfnisse zu befriedigen.

Self-Pleasuring (Selbst-Befriedigung) ist immer noch mit Scham behaftet, jedoch legt diese erst die Basis für ein erfüllendes Miteinander. Wie willst du jemand anderem mitteilen, was dir gefällt, wenn du es selbst nicht weißt? Niemand weiß besser, was dir gefällt, als du selbst.

Niemand kann dir geben, wonach du nicht verlangst und niemand kann seine Zustimmung zu etwas geben, worum er nicht gebeten wurde.

Und die brennende Frage: Wie soll einvernehmlicher Geschlechtsverkehr, euer Sexleben oder Monogamie (wenn ihr euch dafür entschieden habt) funktionieren, wenn eine/r Lust hat, der/ die andere aber nicht und Geschlechtsverkehr die einzige Befriedigungsmöglichkeit ist?



Stolperstein #6: ein Part ist nicht involviert

Es kann sein, dass sich nur ein Teil des Paares für diese Methode entscheidet, und der andere ist skeptisch oder sie kommt für ihn nicht in Frage.

NFP zur Verhütung/ zum Kinderwunsch (im Gegensatz zur reinen Zyklusbeobachtung) ist eine partnerschaftliche Methode und daher ist es für einen Konsens nötig, dass alle Beteiligten dieser Methode zustimmen.

Es kann auch sein, dass sich nur ein Part informiert und diese Methode erlernt. Dies kann die Akzeptanz der Methode beim nicht-wissenden Part so sehr schmälern, dass es immer wieder zu Konflikten kommen kann.

Für andere ist es wiederum wichtig, dass alle Beteiligten mit dieser Methode vertraut sind – schon allein, um die Auswertung zu bestätigen.

Es kann auch sein, dass sich die Frau informiert und die Methode erlernen möchte und der andere Partner Druck macht, die Methode zur Verhütung anzuwenden, aber sich selbst nicht mit der Methode auseinandersetzt - sprich Verhütung die Sache der Frau ist.

Darum von mir an euch die herzliche Einladung, gemeinsam Beratung in Anspruch zu nehmen oder alle Beteiligten einzeln – oder aber den Kurs zu wählen, um sich mit anderen in ähnlichen Situationen austauschen zu können.

Stolperstein #7: der eigene Perfektionsanspruch

Und dann gibt es noch den Druck, den man sich selbst macht, nämlich die Beobachtungen so lückenlos wie möglich zu dokumentieren, korrekt auszuwerten oder die Methode so schnell wie möglich zu erlernen.

Es braucht Übung, um NFP zu erlernen und die bekommt man erst mit der Zeit und vielen Zyklen.

NFP muss nicht in drei Zyklen erlernt werden, es kann auch ganz langsam funktionieren, nämlich in dem man sich auf je ein Zykluszeichen fokussiert.

Das ist das wunderbare an dieser Methode und besonders an Beratungen außerhalb eines Kurses: man kann das Tempo und den Inhalt selbst wählen.


Was interessiert dich wirklich an dieser Methode? Möchtest du mehr über deinen Körper erfahren? Dann bist du hier richtig.

Vielleicht möchtest du dich einen oder auch mehrere Zyklen hintereinander nur mit deinem Zervixschleim auseinandersetzen oder mit deiner Temperatur oder mit dem Muttermund, vielleicht haben es dir auch die anderen Zykluszeichen mehr angetan. Vielleicht möchtest du tiefer in deinen weiblichen Zyklus eintauchen, deine Stimmung oder deine Sexualität in den verschiedenen Zyklusphasen zuerst erforschen und dazu brauchst du zunächst gar kein Regelwerk, sondern den Fokus auf die verschiedenen Zyklusphasen und ihre Übergangsphasen.

Weißt du was? Selbst bei jahrelanger Anwendung kann es mal Durchhänger, Stress usw. geben. Und man lernt nie aus, es geht nur immer tiefer und tiefer in der Erforschung.



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