Bindung durch Berührung: Teil 2 – Welche Berührungen fördern die Bindung?

Eltern zahlen gutes Geld, um in Babymassage-Kursen zu erlernen, wie sie ihre Babys berühren sollen. Keine Seltenheit ist, dass das Mitmachen und die Abfolge der Streichungen bald wichtiger werden als das Baby selbst. Schließlich hat man ja dafür bezahlt, oder?

Doch das „Was“ ist nicht wichtig, sondern das „Wie“.

Was passiert bei einer feinfühligen Berührung?

Es muss Liebe und Wärme da sein, damit das Nervensystem sich entspannen kann, dann fließt Oxytocin und dies hat zahlreiche positive Auswirkungen.

Das Baby spürt Selbstwirksamkeit, denn die Eltern achten die Grenzen des Babys.

Wenn wir wahrnehmen, dass eine Berührung für uns ist und dass das, was wir wollen, von Bedeutung ist, lernen wir, dass wir die Wahl haben, was mit uns passiert und wir die Verantwortung für unsere Grenze haben.

Wenn wir wissen wollen, was wir mögen, müssen wir es über den Körper herausfinden.

Wir lernen unser inneres „ja“ und „nein“ kennen und es zu kommunizieren.

Liebevolle, achtsame Berührungen sind Nahrung für die Seele: das Baby fühlt sich wohl und entspannt, und erlebt durch die Begrenzung seinen Urzustand wieder.

Die Bindung wird gestärkt: das Vertrauen erhöht sich, positive soziale Interaktion wird gestärkt, als Elternteil fühlt man sich immer sicherer im Umgang mit dem Baby. Weswegen liebevolle Berührungen besonders wichtig bei verunsicherten Eltern, einem schweren Start bzw. häufigem Weinen sind.

Liebevolle Berührungen regen die Selbstheilungskräfte an, vermindern Angst, senken den Stresspegel und sind obendrein schmerzlindernd, da körpereigene Opioide angeregt werden.

Ein entspanntes Baby hat gute Voraussetzungen, sich körperlich, emotional und mental gemäß seinem Potential zu entfalten.

Was braucht es von uns Erwachsenen für feinfühlige, liebevolle Berührungen/ Massagen?

Damit sich das Baby bei einer Berührung entspannen kann, bedarf es, dass es kein Ziel gibt. Ein Ziel zu haben, bedeutet in der Zukunft zu sein und nicht mehr zu merken, was im Hier und Jetzt passiert, es bedeutet aus dem Körper hinauszugehen und nicht zu merken, was man tut.

Je präsenter wir in unseren Händen sind, desto tiefer sind wir in unseren Körpern.

Jegliche Erwartungen und damit Druck, dass etwas passieren muss, kann fallen gelassen werden – keine Leistung muss erbracht werden. Erwartungen führen nur wiederum zu Stress. Es geht lediglich um die Erfahrung zu berühren und berührt zu werden.

Der Erwachsene ist selbst mit sich verbunden. Erst, wenn man sich selbst spürt, spürt man auch den anderen. Der Erwachsene spürt seine eigenen Grenzen, für die er auch verantwortlich ist. Wenn man seine Grenzen kennt, kann man auch leicht großzügig aus ganzem Herzen geben.

Langsame Bewegungen, Atmung und Stimme ermöglichen Entspannung. Je langsamer und entspannter, desto mehr fühlen wir. Die Qualität der Berührung ist so wichtig (entspannte Hände) – die Technik ist nicht von Bedeutung.

Während Erwachsene „Stopp“ sagen können, bedarf es bei Babys großer Aufmerksamkeit, um ihre Grenzen rechtzeitig zu erkennen. Die Grenzen des Babys werden eingehalten, indem der Berührende präsent ist und jegliche Signale bzw. Veränderungen beim Baby wahrnimmt und darauf eingeht.

Es geht nicht darum, zu wissen, welche Berührung das Baby gut findet – das findet sich von ganz allein mit voller Präsenz und Offenheit.

Wie erkennt man, dass eine Berührung einem Baby (nicht) gefällt?

Fühlt sich ein Baby mit einer Berührung wohl, hat es u.a. einen offenen Blick, einen entspannten Gesichtsausdruck, einen weichen Bauch, ruhige Atembewegungen, eher offene Hände, gibt weiche Laute von sich, bewegt sich fließend oder liegt entspannt.

Ein deutliches „Nein“ bedeutet u.a. das Wegschieben der Hand des berührenden Menschen, ausweichende Bewegungen, schreien, Versteifung oder Erschlaffung des Körpers.

Doch auch viel subtilere Signale bedeuten ein „jetzt gefällt es mir nicht mehr“, wie zum Beispiel angespannter Blick, angespannter Bauch, beschleunigter Atem oder/ und Fäuste.

Fazit

Traumatische Erfahrungen bringen uns aus unserem Körper („außer sich sein“), und Berührung bringt uns wieder in den Körper. Dabei muss dies kein großes Trauma sein, auch alltäglicher Stress zeigt sich körperlich, indem wir uns regelrecht panzern, um uns davor zu schützen. Nur wenn wir uns sicher fühlen, kann sich noch vorhandene Spannung in Entspannung verwandeln – sozusagen schmelzen.

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