Vaginale Untersuchungen: unnötiges Übel? – Teil 1: Die Vaginale Untersuchung im Rahmen der Gynäkolog

Die Vagina und der Muttermund sind sehr sensible Orte im tiefsten Inneren einer Frau und bedürfen größter Achtsamkeit.

Für viele Betroffene ist eine vaginale Untersuchung physisch wie psychisch sehr unangenehm. Verspannungen, Dissoziation und sogar Nervenverletzungen sind die Folgen. Die Betroffenen reden nicht gern darüber, lassen die Untersuchung aber immer wieder routinemäßig über sich ergehen.

In unserer Gesellschaft ist es zwar gängig, Vagina und Muttermund in jährlichen Überprüfungen, min. 3-5 Mal im Rahmen der Schwangerschaftsvorsorge und mehrmals während einer Geburt von fremden Menschen berühren zu lassen, aber kaum jemand fragt sich dabei: was ist ihr Sinn, was sind die Vorteile, was sind die Risiken und gibt es Alternativen?

Deshalb beleuchte ich die vaginale Untersuchung im Rahmen der gynäkologischen Vorsorge, des weiteren der Schwangerschafts-Vorsorge und während der Geburt.

Die Vagina & der Muttermund

Die Vagina ist ein Organ aus gefalteten Muskelschichten – das heißt, sie kann sich ausdehnen und zusammenziehen – und ihre Wände sind von einer Schleimhaut überzogen. In ihr befinden sich Bakterien, die ein leicht saures Milieu herstellen. Kommt es zu einer Veränderung der Vaginalflora, kann es zu einem Befall von schädlichen Bakterien oder Pilzen kommen.

Der Gebärmutterhals bildet das untere Ende der Gebärmutter und ragt in die Vagina. Der „innerer Muttermund“ bezeichnet das in der Gebärmutter befindliche Ende des Gebärmutterhalses, während das äußere Ende, das in die Vagina ragt als „äußerer Muttermund“ bezeichnet wird.

Der Gebärmutterhals ist ein starker, ringförmiger Muskel, der in der Schwangerschaft fest verschlossen ist, um das Baby, Fruchtwasser, Nabelschnur und Plazenta in der Gebärmutter zu halten. Erst bei der Geburt öffnet er sich. In ihm befindet sich der Schleimpropf, der vor bzw. bei der Geburt (sichtbar oder nicht sichtbar) abgeht und meist leicht rosa oder orange gefärbt ist.

Sind Muttermund und Vagina bereit für Penetration, öffnet sich die Vagina allmählich und der Muttermund geht nach oben. Vagina und Muttermund sind sehr empfindsame Sexualorgane mit Reflexpunkten zu anderen Organen und können Lust fühlen (tiefe Orgasmen finden hier statt). Der Gebärmutterhals wird von drei Hauptnerven durchzogen und trotzdem fühlen die meisten Frauen dort nichts (warum, dazu kommen wir gleich).

Die Vaginale Untersuchung im Rahmen der gynäkologischen Vor-Sorge

Wer kennt das nicht, entweder aus persönlicher Erfahrung oder aus den Medien, die vaginale Untersuchung im Gynäkologenstuhl- ohne Symptome, nur zur Routine. Nackter Po trifft Stuhl (bzw. das Papier am Stuhl) und die Beine werden in eine Halterung eingerastet, die sie spreizen soll. So verweilt die betroffene Frau in zurückgelehnter Position und sieht nichts von all dem, was das medizinische Personal eigentlich in ihr macht. Vielleicht gibt es zum Trost einen Bildschirm, auf dem sie einen vaginalen Ultraschall verfolgen kann, und vielleicht sieht sie auch noch, dass ein Spekulum mit im Spiel ist – ein Instrument, das ihre Vagina aufspreizt.

Damit eine Frau in ihrem tiefsten Inneren berührt werden kann ohne Schaden zu nehmen, muss sie sich sicher fühlen. Fühlt sie sich nicht sicher und wird sie trotzdem an Vagina und/ oder Muttermund berührt (wenig bewusste, unachtsame, vorzeitige, durch falsche Personen ausgeführte oder unerlaubte Penetration), bedeutet dies eine Grenzüberschreitung und Vagina und Muttermund schützen sich durch Taubheit.

Ist die alljährliche Routine-Vaginaluntersuchung denn evidenzbasiert abgesichert?

Nein, die alljährliche vaginale Untersuchung bringt keinen Nutzen, sondern bringt Risiken für Stress (Unbehagen, Angst, Schmerz, Verlegenheit) bis zu unnötigen Operationen mit sich (Bloomfield, 2014).

Um diverse Krankheiten zu screenen genügen selbst-durchgeführte vulvo-vaginale Abstriche oder Harnproben. PAP-Abstriche zur Früherkennung von Gebärmutterhalskrebs sollten max. alle 3 Jahre durchgeführt werden (Moyer, 2012). Der PAP-Absitrch sollte nicht bei Grippe, Schwangerschaft, Stillzeit, Stress, vaginalen Infektionen, Spermizidgebrauch während der letzten 24 Stunden und während der Menstruation durchgeführt werden, da er dadurch verfälscht werden kann (FGZ Kärnten, 2008).

Wie kann man sich am Muttermund möglichst achtsam untersuchen lassen?

Wenn die vaginale Untersuchung wirklich für dich sein soll und nicht, weil sie von außen von dir erwartet wird, dann gibt es ein paar Dinge zu beachten, damit du nicht dissoziierst und dich panzern musst.

Im Grunde geht es darum, dass du deine Macht dabei behältst und auf das „Okay“ deines Körpers achtest (gefühlt durch Entspannung: z.B. sich öffnen, weiten)

Olivia Bryant hat hierzu ein paar Vorschläge: zunächst mit der Gynäkologin/ dem Gynäkologen über das gewünschte Vorgehen sprechen. Ist die Gynäkologin damit nicht einverstanden, sucht man sich am besten ein/e andere/n.

Besteht Vertrauen zur Gynäkologin/ zum Gynäkologen, nimmt sich die Frau ihre Zeit, entspannt sich und gibt sich selbst das Spekulum in ihre Vagina. Erst, wenn die Frau bereit ist und ihr okay gibt, darf die Gynäkologin/ der Gynäkologe bei ihr z.B. einen Abstrich machen. Danach kann die Frau ihren Muttermund in einem Spiegel betrachten und entfernt danach das Spekulum wieder selbst.

Der Muttermund kann ganz leicht selbst ertastet werden

Dazu führt die Frau behutsam selbst ein oder zwei saubere Finger in immer der gleichen Haltung (z.B. in der Hocke) in die Vagina ein und ertastet den Muttermund im hinteren Teil der Vagina. Dieser ragt zapfenförmig in die Vagina hinein und ändert Öffnungsgrad, Weichheit, Position und Drehungswinkel während eines Zyklus.

Hier weiterlesen:

Vaginale Untersuchungen: unnötiges Übel? – Teil 2: Die Vaginale Untersuchung im Rahmen der Schwangerschafts-Vor-Sorge

Vaginale Untersuchungen: unnötiges Übel? – Teil 3: Die Vaginale Untersuchung während der Geburt

Quellen:

Bloomfield, H.E. et al.: Screening Pelvic Examinations in Asymptomatic, Average-Risk Adult Women: An Evidence Report for a Clinical Practice Guideline From the American College of Physicians. Ann Intern Med. 2014;161:46-53.

FGZ Kärnten: Häufige Fragen und Antworten rund um den PAP-Abstrich und Gebärmutterhalskrebs.2008/2009 - https://www.fgz-kaernten.at/images/haeufiggestelltefragenzumpaphomepage.pdf

Moyer, V.A.: Screening for cervical cancer: U.S. Preventive Services Task Force recommendation statement. Ann Intern Med. 2012; 156: 880-91.

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