Zyklus-Apps im Test 3/3: myNFP Mobile

In meinem dritten und letzten Testbericht stelle ich dir die myNFP Mobile App (Version 1.13 – für Android) vor, die 2017 durch die Stiftung Warentest die Note „Gut“ verliehen bekam.

1. Einstellungen und Features:

In „nützliche Links“ finden sich Links zum E-Mail-Support, sowie Seiten auf der eigenen myNFP-Homepage zum Zykluswissen.

Die App ist in weiß gehalten und hält sich nicht lange mit Design auf - es ist ein simples, sauberes Design ohne Schnickschnack.

Leider lassen sich die Zyklen nicht verschicken oder ausdrucken.

2. Eingabe und Anzeige der Daten:

Die Eingabe erfolgt über den Menüpunkt „Kurve“: dort kann man pro Zyklustag verschiedene Daten eintragen.

Am Zyklusblatt selbst lassen sich alle in der Zykluseingabe abgefragten Daten darstellen. Damit es übersichtlich bleibt, werden sie abgekürzt dargestellt. Tippt man auf die Abkürzung, erscheint ein kleines Fenster mit der ausgeschriebenen Beobachtung.

a) Temperatur

Die Temperatur wird automatisch in der Eingabe gerundet. Temperaturwerte lassen sich un- oder ausgefüllt darstellen, und manuell ausklammern. Beim Messort lassen sich die 3 bekannten Orte vaginal, oral, rektal unterscheiden. Die Messdauer lässt sich ebenfalls einstellen (3 Minuten usw.), wobei regelkonform 3 Minuten sind. Auch das verwendete Thermometer lässt sich eingeben (digital, analog).

Die Temperaturlücken lassen sich verbunden oder unverbunden (regelkonform) darstellen.

b) Zervixschleim

Der Zervixschleim entspricht den Beschreibungen und Abkürzungen der Arbeitsgruppe Natürliche Familienplanung (AG NFP).

c) Muttermund

Der Muttermund lässt sich wie bei der AG NFP nach Lage, Öffnung und Festigkeit einteilen, dargestellt wird er im Zyklusblatt als (farbiger) Ring.

d) Störungen

Die potentiellen Störfaktoren entsprechen der AG NFP.

e) Geschlechtsverkehr

Hier wird nach „Sex“ gefragt, und das ist mir zu ungenau - Sex kann vieles sein, und von Oralsex kann man schwerlich schwanger werden. Im Zyklusblatt wird aber sehr wohl „GV“ abgekürzt, also Geschlechtsverkehr.

Der Geschlechtsverkehr lässt sich in „-„, „geschützt“ und „ungeschützt“ einteilen. Im Zyklusblatt liest sich dies als Herz oder Herz mit Schloss.

In einer weiteren Kategorie „Verhütung“ kann man die allenfalls verwendete Methode zusätzlich ankreuzen (z.B. „Kondom“).

f) sonstige Körperzeichen

Die Blutung lässt sich von Schmierblutung bis hin zu stark eintragen und lässt sich durch einen oder mehrere Tropfen im Zyklusblatt darstellen. Gibt man am Zyklustag 1 eine Schmierblutung an, so wird man darauf hingewiesen, dass dies nicht sein kann, denn eine Schmierblutung gehört immer noch zum alten Zyklus - gemäß den Regeln der AG NFP. Eine geschätzte nächste Menstruation wird auch angezeigt (nach 14 Tagen Hochlage).

Für Mittelschmerz (ja, links oder rechts, -) und Brustsymptom gibt es eigene Kategorien bei der Eingabe und werden auch im Zyklusblatt in eigenen Spalten angegeben.

Weiters lassen sich noch Medikamente und Notizen eintragen.

3. Auswertung:

Ausgewertet wird nach den Methodenregeln der Symptothermalen Methode der Arbeitsgruppe NFP, wobei man getrennt für die unfruchtbare Zeit am Anfang und nach den Eisprung zwischen den Kombinationen Zervixschleim + Temperatur und Muttermund + Temperatur wählen kann. Es kann zwischen automatischer oder manueller Auswertung gewählt werden.

Der Zweck der Beobachtung lässt sich auch eintragen (Kinderwunsch, Verhütung, Beobachtung).

a) Temperatur

Die Temperatur wird nach den Methodenregeln der AG NFP ausgewertet, am Zyklusblatt wird aber leider nur die 1. höhere Messung dargestellt.

b) Zervixschleim

Der Zervixschleim wird nach den Methodenregeln der AG NFP ausgewertet. Der Zervixschleim wird zwar automatisch abgekürzt, lässt sich aber trotzdem manuell umändern. Im Fortgeschrittenen-Modus kann man auch die Binnendifferenzierung benutzen. Leider wird die Auswertung im Zyklusblatt nicht mit „H 1-2-3“ dargestellt, aber dafür wird der Zervixschleim an den entsprechenden Tagen farbig unterlegt.

c) Muttermund

Der Muttermund wird nach den Methodenregeln der AG NFP ausgewertet. Die Auswertung wird farbig gekennzeichnet.

d) Ende der unfruchtbaren Zeit am Zyklusanfang

Wird nach den Methodenregeln der AG NFP ausgewertet.

e) Beginn unfruchtbare Zeit nach dem Eisprung

Leider wertet diese App auch automatisch die unfruchtbare Zeit nach dem Eisprung aus, wenn die Temperatur ausgewertet ist, aber noch nicht der Zervixschleim (d.h. wenn es zwar einen Höhepunkt gibt, aber die Zählung 1-2-3 fehlt) - dies ist nicht regelkonform. Die Hochlage wird im Zyklusblatt gezählt.

4. Kosten:

Die myNFP App lässt sich für 1 Monat gratis testen, und dann problemlos verlängern. Und hier hakt es auch schon, denn die App kauft man sich nicht für immer, man verlängert sie nur. Für 3 Monate zahlt man im Moment 9.99€ und für 1 Jahr 29.99€ (Stand: Dezember 2017). Bedenkt man jedoch, wie viel Pille & Co. kosten, relativiert sich der Preis.

5. Wie geeignet ist die Lily App für besondere Lebenssituationen?

Zur Verhütung ist die myNFP Mobile App geeignet, denn sie folgt nicht nur den Methodenregeln der AG NFP, sondern erfragt die für diese Methode wichtigen Daten und gibt diese im Zyklusblatt genauso an. Die Auswertung erfolgt einigermaßen nachvollziehbar im Zyklusblatt und wird zusätzlich für jeden Zyklus erklärt. Aufpassen: die App wertet auch aus, wenn der Zervixschleim noch nicht fertig eingetragen ist.

Für die Stillzeit und die Wechseljahre ist die App nur zur Aufzeichnung, nicht aber zur Auswertung geeignet - hierzu einfach auf manuelle Auswertung umschalten und jegliche Auswertungsvorschläge entfernen.

Für einen Zyklus nach hormonellen Verhütungsmitteln lässt sich die App gut nutzen, indem manuell ausgewertet wird und somit sowohl eine zusätzlich höhere Messung, als auch unfruchtbare Tage am Zyklusanfang eingestellt werden können.

Dass es die Möglichkeit gibt, nach hormonellen Veränderungen die Minus-8-Regel wieder von neuem zu starten, deckt sich bislang nicht mit den Regeln der AG NFP.

Für den Kinderwunsch kann ich die App empfehlen, ganz schnell lässt sich im Zyklusblatt farblich differenziert die fruchtbare Zeit erblicken - der Eisprungszeitraum kann extra angezeigt werden (allerdings erst mit Temperaturauswertung).

Eine mögliche Schwangerschaft wird nach 18 Tagen Hochlage angezeigt und der geschätzte Geburtstermin (korrekt nach der AG NFP) berechnet - leider unglücklich formuliert als „Entbindungstermin“ (Frauen werden nicht entbunden, sie gebären!).

Mein Fazit:

Diese Zykus-App ist mein absoluter Favorit unter den sich bisher auf den Markt befindlichen Zyklus-Apps - sie ist aber leider auch die einzige Zyklus-App, die ich zur Zyklusaufzeichnung und -auswertung bis auf Stillzeit und Wechseljahre empfehlen kann. Das große Manko, das ich bei dieser Zyklus-App sehe, sind die laufenden Kosten statt einer Einmal-Zahlung.

Die Vorgängerversion der myNFP Mobile, die einfach nur myNFP hieß und die man nur einmal bezahlen musste, habe ich selbst jahrelang verwendet, zur Verhütung, zum Kinderwunsch und in der Stillzeit. Da sie sich im Wesentlichen nicht unterscheiden, bleibe ich lieber bei meiner alten Version neben Papier und Stift.

Bildnachweise: eigene Screenshots der Zyklus-App myNFP Mobile App Version 1.13

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