Der Muttermund während der Geburt

Der Gebärmutterhals, auch Muttermund genannt, bildet als Hals der Gebärmutter das untere Ende der Gebärmutter und ragt in die Vagina. Wenn die Gebärmutter nach vorne geneigt ist, ist der Muttermund nach hinten geneigt, ist die Gebärmutter zur rechten Seite geneigt, neigt sich der Muttermund zur linken usw.

Streng genommen bezeichnet der Begriff „innerer Muttermund“ das in der Gebärmutter befindliche Ende des Gebärmutterhalses, während das äußere Ende, das in die Vagina ragt und auch mittels Selbstbeobachtung ertastet werden kann, als „äußerer Muttermund“ bezeichnet wird.

Der Muttermund ist ein sehr starker ringförmiger Muskel, der in der Schwangerschaft fest verschlossen ist, um das Baby, Nabelschnur und Plazenta in der Gebärmutter zu halten. Erst bei der Geburt lässt er sich öffnen. In ihm befindet sich der Schleimpropf, der vor bzw. bei der Geburt (sichtbar oder nicht sichtbar) abgeht und meist leicht rosa gefärbt ist.

Der Muttermund öffnet sich von hinten nach vorne wie eine Ellipse (jede Frau hat irgendwann mal eine Muttermundslippe).

Das Hormon Relaxin macht den Muttermund bei Geburtsbeginn weich und enorm dehnbar. Der Muttermund wird ebenfalls durch Prostaglandine weich gemacht. Ist der Muttermund geburtsbereit und entspannt, ist er ganz weich und kann von den Längsmuskeln der Gebärmutter leicht geöffnet werden. Das Öffnen des Muttermundes erzeugt ein wellenförmiges Gefühl.

Ina May Gaskin vergleicht mittels ihrers „Gesetz des Schließmuskels“ (Sphincter Law) den Muttermund mit einem Schließmuskel, um zu erklären, was der Muttermund während der Geburt braucht, um sich öffnen zu lassen.

Schließmuskel sind ringförmige Muskeln, die Organe umgeben, um sie zu öffnen bzw. geschlossen zu halten. Solche Schließmuskel findet man auch bei Blase, Darm (After) und Magen (Pförtner). Der Muttermund ist kein Schließmuskel, verhält sich aber so.

Schließmuskeln öffnen sich am besten in einer entspannten, ungestörten und privaten Atmosphäre. Sie schließen sich bzw. bleiben geschlossen und hart bei Stress, Angst, Störungen usw. durch das Hormon Adrenalin. Durch äußere Einwirkung lassen sie sich nicht beeindrucken. Wenn der Muttermund „starr“ ist, kann es auch an den umliegenden Bändern liegen, die durch Angst angespannt sind.

Das kennst du sicher, wenn du ans Klo denkst: Wann kannst du am besten Stuhlgang haben? Wenn es still ist, du alle Zeit der Welt hast und du dich ungestört fühlst oder wenn du in einer fremden Umgebung bist, andere Leute jederzeit herein kommen könnten, du von Geräuschen umgeben bist und unter Zeitdruck stehst? (siehe "Failure to progress")

Wenn der Muttermund unter der Geburt also mal länger still steht (und die Kontraktionen schwächer werden, sogar ganz aufhören oder sehr schmerzhaft werden), bedeutet dies höchstwahrscheinlich, dass die gebärende Frau sich gestört oder gestresst fühlt, Angst hat, ihr logisches Gehirn gerade aktiv ist – dass sie kurz gesagt nicht loslassen kann. Was dann hilft, ist sich/ den Muttermund zu entspannen.

Was hilft also nun, sich/ den Muttermund zu entspannen?

- für eine entspannte, private Atmosphäre sorgen (z.B. aufs Klo gehen, ruhige Musik, Massagen, störende Einflüsse beseitigen)

- Tiefenentspannung

- langsame, tiefe Bauchatmung – am besten begleitet von langen, tiefen Tönen

- sich frei bewegen

- Wärme bzw. warmes Wasser ist schmerzlindernd und fördert die Öffnung des Muttermundes (Cluett & Burns, 2009); z.B. durch Badewanne, Geburtspool oder Dusche

- Entspannung von Kiefer und Mundpartie: entspannst du dein Kiefer bzw. deinen Mund, entspannst du auch deinen Muttermund. Du kannst dein Kiefer am besten durch lachen, tönen/ singen oder schnauben wie ein Pferd entspannen.

- das Öffnen visualisieren: Bilder, die helfen, sind: die sich öffnende Blüte oder die sich öffnenden Ringmuskeln (siehe Übung „Blaue Bänder“ aus HypnoBirthing)

- positive Affirmationen („Ich öffne mich, werde weit, lasse los.“)

- Sex haben, küssen mit offenem Mund, Mamillen stimulieren

- mit Zärtlichkeit und Mitgefühl behandelt werden

Was hemmt sich/ den Muttermund sich zu öffnen?

- ein hoher Adrenalinspiegel: alles Stress erzeugende, Furcht, Scham, grelles Licht etc.

- (schmerzhafte) vaginale Untersuchungen

- störende Personen im Raum

Muttermundsöffnung und Muttermundsuntersuchung

In vielen Krankenhäusern gilt immer noch die Friedman-Kurve, nach der sich der Muttermund pro Stunde um 1 cm öffnen muss. Diese Kurve bzw. die Muttermunds-Untersuchung ist überhaupt nicht evidenzbasiert (Lavender, Hart & Smyth, Cochrane Review 2013), denn der Muttermund öffnet sich nicht linear (Ferrazzi et al., 2015) und er sagt auch nichts über den Geburtsverlauf aus. Der Muttermund kann sich in einer Stunde um 8 cm öffnen oder in 8 Stunden um 1 cm. Außerdem bedeutet eine Muttermundsuntersuchung, die Frau in ihrer Entspannung zu stören und sie in den Verstand und damit in die Kontrolle und unter Zeitdruck zu bringen.

Literatur:

Cluett E.R. & Burns E.: Immersion in water in labour and birth. Cochrane Database of Systematic Reviews 2009, Issue 2. Art. No.: CD000111.

Ferrazzi, E. et al.: Progression of cervical dilatation in normal human labor is unpredictable. Acta Obstet Gynecol Scand. 2015 Oct;94(10):1136-44.

Gaskin, I.M.: Die selbstbestimmte Geburt: Handbuch für werdende Eltern. 2004, Kösel-Verlag

Lavender T., Hart A. & Smyth R.M.D.: Effect of partogram use on outcomes for women in spontaneous labour at term. Cochrane Database of Systematic Reviews 2013, Issue 7. Art. No.: CD005461.

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