Stillen und Schwangerschaft

Wird eine Frau wieder schwanger, so muss sie ihr noch stillendes Kind nicht abstillen.

Jedoch stillen sich einige Kinder selbst ab oder hören kurzfristig zu stillen auf, wenn ihre Mutter wieder schwanger wird. Ein Grund dafür kann sein, dass die Muttermilch durch die Anpassung an das ungeborene Kind anders schmeckt (Bumgarner, 2003) oder gar weniger wird. Die meisten Kinder, die von selbst während einer Schwangerschaft abstillen, stillen sich im 2. Trimester ab (Moscone & Moore, 1993).

Es kann jedoch genauso gut sein, dass eine schwangere Frau aufgrund Müdigkeit und/ oder erhöhter Brust- bzw. Mamillenempfindlichkeit durch die hormonelle Umstellung keine Lust mehr hat, ihr älteres Kind zu stillen.

Mythos von der Gefährlichkeit des Stillens während der Schwangerschaft widerlegt

Oxytozin ist dasselbe Hormon, das Kontraktionen der Gebärmutter hervorruft, als auch für den Milchfluss verantwortlich ist - und deshalb hielt sich lange der Mythos, dass Stillen während der Schwangerschaft zu Frühgeburten führen kann. Dass dem jedoch nicht so ist, werde ich im Folgenden mit Studien untermauern.

Beim Stillen während einer Schwangerschaft wird weniger Oxytozin freigesetzt als bei Stillenden, die nicht schwanger sind. Die Gebärmutter hat bis zur 38. Schwangerschaftswoche zu wenige Oxytozinrezeptoren (Kimura et al., 1996); selbst eine hohe Dosis an künstlichem Oxytozin (Ptocin) kann keine Geburt triggern, wenn der Körper nicht dazu bereit ist. Zusätzlich ist die Gebärmutter während der Schwangerschaft „taub“ gegenüber Oxytozin: der in der Schwangerschaft erhöhte Progesteronspiegel entspannt die Gebärmutter (die Oxytozinrezeptoren werden v.a. durch Progesteron blockiert, Grazzini et al., 1998) und Oxytozin kann durch fehlende Brücken-Proteine erst gar nicht an die Oxytozinrezeptoren binden (Zingg et al., 1998).

Übrigens: Oxytozin wird auch beim Küssen, bei Berührung und Sex ausgelöst – aber selbst Sex kann keine Geburt auslösen, wenn der Körper nicht dazu bereit ist (Tan et al., 2006).

Das heißt nicht, dass es nicht zu Kontraktionen während des Stillens kommen kann – aber sie lösen keine geburtseinleitenden Wehen aus. In 93% der Fälle kommt es übrigens zu keinen wahrnehmbaren Kontraktionen (Moscone & Moore, 1993).

Studien zum Stillen während einer Schwangerschaft belegen, dass es kein Fehl- oder Frühgeburtsrisiko gibt oder andere negative Effekte für Mutter, Kind und Baby im Bauch (Ishii, 2009; Madarshahian & Hassanabadi, 2012; Aldabran, 2013; Ayrim et al., 2014; Cetin et al., 2014).

Es gibt keine Evidenz dafür, dass gut ernährte schwangere Stillende ein Risiko für sich oder ihre Kinder eingehen.

Vorteile des Stillens während der Schwangerschaft

Stillen während einer Schwangerschaft befriedigt die nutritiven und non-nutritiven Bedürfnisse des stillenden Kindes. Das ältere Kind weiterzustillen, kann einen sanfteren Übergang für das ältere Kind bedeuten und die stillende Schwangere zusätzlich entspannen. Außerdem kann Stillen bzw. die Stimulation der Mamillen helfen, die Geburt in Gang zu bringen – immer vorausgesetzt der Körper ist dazu bereit.

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Quellen:

Aldabran, M.: Effect of breastfeeding during pregnancy on the occurence of miscarriage and preterm labour. Iraqui J Med Sci, 2013: Vol. 11(3)

Ayrim et al.: Breastfeeding throughout pregnancy in Turkish women. Breastfeeding Medicine 2014; 9(3): 157-160

Bumgarner, N. J. (2003): Wir stillen noch, Hille (La Leche Liga)

Cetin et al.: Breastfeeding during Pregnancy: position paper of the Italian Society of Perinatal Medicine and the Task Force on Breastfeeding, Ministry of Health, Italy. J Hum Lact. 2014 Feb;30(1):20-7

Grazzini et al.: Inhibition of oxytocin receptor function by direct binding of progesterone. Nature. 1998 Apr 2;392(6675):509-12

Ishii: Does breastfeeding induce spontaneous abortion? J Obset Gynaecol Res 2009; 35 (5): 864-868.

Kimura et al.: Expression of oxytocin receptor in human pregnant myometrium. Endocrinology 137:780-785. 1996

Madarshahian & Hassanabadi: A Comparative Study of Breastfeeding During Pregnancy: Impact on Maternal and Newborn Outcomes. Article in The journal of nursing research: JNR 20(1):74-80 · March 2012

Moscone & Moore: Breastfeeding during pregnancy. J Hum Lact. 1993 Jun;9(2):83-8

Tan et al.: Effect of coitus at term on length of gestation, induction of labor, and mode of delivery. J Obstet and Gynaecol 2006; 108(1): 134-140

Zingg et al.: Genomic and non-genomic mechanisms of oxytocin receptor regulation. Adv Exp Med Biol 1998;449:287-95

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