Stillen in der Öffentlichkeit und auf Reisen

Das Wort, das beim Stillen in der Öffentlichkeit immer wieder fällt, lautet: diskret. Was bedeutet das denn?

Warum sollte es denn nur okay sein, Muttermilch abzupumpen und in der Flasche zu verfüttern und warum sollte es anstößig sein, das Kind gleich direkt an die Brust zu nehmen? Warum sollte es okay sein, nackte Brüste in der Werbung zu zeigen, aber nicht in ihrer tatsächlich Funktion zur Ernährung eines Kindes?

Gesetze und Rechte

In Großbritannien besagt der Equality Act (2010), dass eine Frau nicht aufgrund des Stillens nachteilig behandelt werden darf. Niemand darf einer Frau untersagen zu stillen oder sie deswegen aus einem öffentlichen Verkehrsmittel oder Restaurant schmeißen.

In Schottland hat man überdies seit 2005 das Recht, ein Kind unter zwei Jahren zu stillen und es ist eine strafbare Handlung eine Frau in der Öffentlichkeit davon abzuhalten oder sie zu stoppen. Dies kann bis zu £2500 kosten.

In den USA gibt es den „Right to Breastfeed Act“ (1999), sodass Mütter zugestanden wird, ihre Kinder in der Öffentlichkeit zu stillen.

Während also in einigen Ländern die Diskriminierung stillender Frauen per Gesetz verboten ist, gibt es in Österreich keine klare gesetzliche Regelung für das Stillen im öffentlichen Raum. Genau geregelt ist nur das Stillen am Arbeitsplatz.

Tipps für das Stillen in der Öffentlichkeit/ in Begleitung

Ein selbstbewusstes Auftreten hilft am besten gegen Blicke oder Kommentare - schließlich hat ein Kind ein Recht darauf, seine Bedürfnisse nach Hunger, Durst, Entspannung und Nähe zu befriedigen.

- den Ort suchst du dir aus bzw. dein Baby

- stillfreundliches Oberteil tragen

- etwas zum Wickeln/ Klo mitnehmen (Stillen regt Verdauung an)

- tragen im Tragetuch/ in der Tragehilfe

- Stillmahlzeit nicht zu lange hinauszögern bei kleinen Kindern

- Brust anbieten in für sich angenehmen Situationen

- nach und nach die Kreise erweitern

- Stillcover: Warum verdecken? Der Kopf des Kindes verdeckt die Brust sowieso. Im Gegenteil, warum nicht noch extra eine Brust-Haube aufsetzen?

- bei Ausflügen eine nette Begleitung aussuchen, die versteht, dass man Stillpausen braucht

Für Frauen, die das Stillen in der Öffentlichkeit besonders stresst, hier noch zusätzlich ein paar Ideen:

- Kleidung anziehen, die nicht allzu leicht selbst vom Kind zu öffnen ist oder die Stillen im Verborgenen ermöglicht

- ein Codewort für das Stillen beziehungsweise das Wort Busen einführen

- das Stillen in für die Mutter unangenehmen Situationen zu vermeiden (dann den Raum verlassen, stillen hinauszögern, vorher schon anlegen)

Stillräume/ Stillen am Klo oder in Wickelräumen

Stillräume o.ä. sollen Frauen oder auch Kindern, die Ruhe beim Stillen brauchen, unterstützen - niemand sollte jedoch gezwungen werden, sich zum Stillen dorthin zu begeben. Erwachsene oder mit Flasche gefütterte Kinder bittet man zum Essen oder Kuscheln auch nicht aufs Klo. So ein Ort ist keine Atmosphäre für eine Mahlzeit oder eine Kuscheleinheit.

Stillen auf Reisen

Stillen ist auf Reisen ganz praktisch, denn die Muttermilch ist immer frisch, wohltemperiert, sofort und in der richtigen Zusammensetzung vorhanden. Das hat den Vorteil, dass man nichts extra dafür bezahlen oder einpacken muss.

Sonderfall Stillen im Flugzeug: Da die Schluckbewegungen beim Druckausgleich helfen, kann man Ohrenschmerzen bei Start und Landung gut durch Stillen vorbeugen bzw. lindern. Stillen im Flugzeug hilft auch gut gegen die trockene Luft.

Jede Fluglinie hat ihre eigenen Regelungen, was das Stillen bzw. die Sicherheit beim Stillen betrifft. Meist geht es einfach nur darum, dass ein Kind unter 2 Jahren (das noch keinen eigenen Sitzplatz braucht), am Schoß der Mutter und beim Starten bzw. Landen extra angeschnallt werden sollte - auch wenn es stillt.

Tipps für das Stillen auf Reisen:

- nach Bedarf stillen

- genügend Pausen einplanen/ machen

- genügend trinken (besonders auf Langstreckenflügen)

Darüber hinaus gibt es länderspezifische Gepflogenheit bezüglich des Stillens. Ein Kind aus China hat wohl in Bezug auf das Stillen keine anderen Bedürfnisse als ein Kind aus Uruguay, aber die Gesellschaft, in der es groß wird, ist eben eine andere.

Zu den stillfreundlichen Regionen dieser Welt zählen: weitestgehend Afrika, Südamerika, SO-Asien, Australien, Skandinavien. Zu den weniger stillfreundlichen Regionen gehören: muslimische Länder, Frankreich, Spanien, USA, China, Großbritannien, Japan.

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